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Visionen zur zukünftigen Struktur der Kinderchirurgie in Deutschland

erarbeitet von der „Zukunftskommission"

im Auftrag des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie

 

Die Kinderchirurgie ist ein eigenständiges Gebiet mit einem spezifischen Spektrum in Krankenversorgung, Forschung und Lehre. Aktuelle Veränderungen im Gesundheitswesen und epidemiologische Entwicklungen in Deutschland haben Auswirkungen auf das Gebiet und machen zukunftsorientierte Standortbestimmungen der Kinderchirurgie erforderlich. Diese Standortbestimmungen betreffen Strukturen, Inhalte des Gebiets, und Aspekte der Forschung und Lehre.

Kinderchirurgische Krankenversorgung

Die kinderchirurgische Versorgung erfolgt für Kinder und Jugendliche, in besonderen Fällen oder auf Wunsch der Patienten auch über das 18. Lebensjahr hinaus. Drei Organisationsformen werden im weiteren definiert und dürfen die entsprechende Bezeichnung führen. Diese Organisationsformen können in Verbünden miteinander arbeiten:


A. Klinik oder Abteilung für Kinderchirurgie (Hochleistungsmedizin / Maximalversorgung)

Strukturen

Kliniken für Kinderchirurgie befinden sich in einem Kinderzentrum mit organisatorisch selbständigen Bereichen für operative und konservative Kindermedizin. Es gelten folgende Kriterien:

Spektrum**

 

* Zusatzweiterbildung zu fordern

** Teilbereiche in Kooperation mit anderen Kliniken oder Fachbereichen


B. Bereich für Kinderchirurgie (Regelversorgung)

Bereiche für kinderchirurgische Regelversorgung befinden sich in Kinderkliniken oder in speziell für Kinder ausgewiesenen Krankenhausbereichen. Es gelten folgende Kriterien:

Spektrum

Entsprechend Facharztstandard


C. Ambulante Kinderchirurgie / Praxen / Medizinische Versorgungszentren

Bereiche für ambulante Kinderchirurgie befinden sich an Kliniken oder in speziell ausgewiesenen Praxen/Versorgungszentren. Es gelten folgende Kriterien:

Spektrum

Entsprechend Facharztstandard

 

* Zusatzweiterbildung zu fordern


Versorgung seltener Krankheitsbilder

Die Zentralisierung von seltenen und komplexen kinderchirurgischen Krankheitsbildern an wenige ausgewiesene Zentren (Kompetenzzentren) wird vorangetrieben. Als Beispiele werden genannt:


Kinderchirurgische Weiterbildung

Zentraler Bestandteil der kinderchirurgischen Weiterbildung ist die Vermittlung chirurgischer Kenntnisse und Fertigkeiten. Diese können in Kliniken, Abteilungen und Bereichen für stationäre und ambulante Kinderchirurgie erworben werden. Bestandteil der kinderchirurgischen Weiterbildung ist die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen der Akademie für Kinderchirurgie.

Im Hinblick auf die oben definierten kinderchirurgischen Organisationsformen besteht ein Bedarf an unterschiedlichen Qualifikationen. Allgemein soll durch zahlenmäßige Konzentration eine Verbesserung der Qualität der kinderchirurgischen Ausbildung mit der Möglichkeit der Spezialisierung erzielt werden. Ein Austausch zwischen Kliniken mit ausgewiesenen Schwerpunkten zur Erweiterung des Spektrums ist essentiell. Ein Austausch im Sinne einer Rotation zwischen Pädiatrie und Kinderchirurgie im Rahmen der  Weiterbildung ist zu fordern.


Kinderchirurgische Forschung

Die kinderchirurgische Forschung ist essentiell für das Profil und das Fortbestehen des Fachgebiets. Ein Forum zur Förderung der Kommunikation und zur Schaffung von Forschungskooperationen zwischen kinderchirurgischen Institutionen und anderen Fachgebieten wird gefordert. Auslandsaufenthalte und Austauschprogramme zwischen Forschungsinstitutionen und Kliniken sind unbedingt zu fördern.


Studentische Lehre

Die studentische Lehre ist originäre Aufgabe universitärer kinderchirurgischer Einrichtungen, kinderchirurgischer Bereiche in akademischen Lehrkrankenhäusern und Lehrpraxen. Kinderchirurgische Lehrinhalte sind grundsätzlich in die Lehrprogramme der Universitäten aufzunehmen und von allen Fakultäten anzubieten. Es wird gefordert, dass diese Lehrinhalte von Kinderchirurgen vermittelt werden.

 

Kassel/Berlin, den 08.07.2006

Dr. med. Ulrich Hofmann

Präsident der DGKCH

 

Mitglieder der Zukunftskommission:

Prof. Dr. Benno Ure, Hannover ( federführend )

Prof. Dr. Jörg Fuchs, Tübingen

CA Dr. Peter Göbel, Halle

CA Dr. Uwe Hübner, Hamburg

Prof. Dr. Stephan Kellnar, München

Prof. Dr. Dietmar Rösner, Dresden

Prof. Dr. Felix Schier, Mainz