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Magenpförtnerkrampf lässt Babys spucken
Routine-Operation durch den Kinderchirurgen hilft

Berlin, Mai 2012 - Drei von tausend Kindern haben im frühen Säuglingsalter einen Magenpförtnerkrampf: Dieser verengt den Weg vom Magen in den Darm. Die Babys können dadurch keine Muttermilch bei sich behalten und erbrechen sich kurz nach dem Essen schwallartig. Ohne ärztliche Hilfe erleiden sie einen – mitunter lebensbedrohlichen – Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Kinderchirurgen können diese sogenannte „hypertrophe Pylorusstenose“ heute schonend und mit gutem Erfolg operieren, darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) hin. Entscheidend ist deshalb eine rasche Diagnose und die Behandlung durch einen erfahrenen Kinderchirurgen.

Der Magenpförtner, Pylorus genannt, ist ein Muskel am Übergang vom Magen zum Dünndarm. Er reguliert den Transport des Nahrungsbreis. Bei einer Pylorusstenose ist der Muskel verdickt, so dass der Speisebrei nur schwer oder überhaupt nicht in den Darm gelangt. Die meist drei bis zehn Wochen alten Babys sind ständig hungrig und unruhig. Der verdickte Magenpförtner lässt sich mitunter durch die Bauchdecke ertasten. Jungen sind fünfmal häufiger als Mädchen betroffen. Die Ursache der Erkrankung ist bisher unklar. Die Diagnose stellt der Arzt mithilfe einer Ultraschalluntersuchung. „Sobald die Diagnose steht, muss zunächst der durch das Erbrechen entstandene Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten ausgeglichen werden. Anschließend sollte ein Kinderchirurg operieren“, sagt der Tübinger Kinderchirurg, Privat­dozent Dr. med. Philipp Szavay aus dem Vorstand der DGKCH. Eltern müssten bei der Operation in der Regel keine Sorge um ihr Kind haben

Denn die Operation gilt heute als bewährtes Verfahren. Der Eingriff dauert etwa dreißig Minuten. Der Kinderchirurg operiert entweder über einen kleinen Bauchschnitt oder über eine Bauchspiegelung, durch einen minimalinvasiven Zugang. Dabei spaltet er den Magenpförtner­muskel längs auf. Im Allgemeinen können die kleinen Patienten nach wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden, sobald sie die volle Nahrungsmenge vertragen. Die weitere Nachsorge übernimmt dann häufig der Kinderarzt ambulant.

Die Entwicklung kleinster Instrumente hat dazu geführt, dass Kinderchirurgen heute an spezialisierten Zentren Pylorusstenosen auch laparoskopisch operieren – also über winzige Zugänge, die quasi narbenfrei abheilen. Die beiden Operationsverfahren unterscheiden sich in der Hand geübter Operateure kaum in ihrem Ergebnis. Beim minimal-invasiven Vorgehen zeigt sich zwar ein Trend zu kürzerer OP-Dauer, die Kinder genesen zudem rascher. „Gerade in der Kinderchirurgie steht jedoch die langfristige Lebensqualität des Kindes im Vordergrund“, betont Dr. Szavay. „Da auch beim offenen Zugang über den Nabel die Narbe später kaum sichtbar ist, sollte die Entscheidung für eine bestimmte Technik von der Spezialisierung des Operateurs abhängig gemacht werden“, so der Experte weiter.

Die früher durchgeführte konservative Therapie war für das Baby sehr belastend und stellt daher laut der DGKCH keine geeignete Alternative mehr dar: Das Kind musste über einen längeren Zeitraum in der Klinik bleiben und bis zu 24 Mal am Tag gefüttert werden, Medikamente sollten den Magenpförtnermuskel nach und nach lösen. „Wir sind deshalb froh, dass wir heute den sicheren operativen Weg gehen können, zumal eine hypertrophe Pylorusstenose bis Mitte des letzten Jahrhunderts eine lebensgefährliche Erkrankung darstellte“, sagt Dr. Szavay. Entscheidend sei dabei jedoch, dass Kinderchirurgen den Eingriff durchführen.


Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie

Gegründet im Jahr 1963, schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie(DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken und Abteilungen. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.

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