Ehrenmitglied Professor Hellbrügge gestorben

hellbruegge

Theodor Hellbrügge war 1992 zum Ehrenmitglied unserer Gesellschaft ernannt worden. Anlässlich seines Todes am 21.01.2014 soll ein Mensch gewürdigt werden, der auf dem Höhepunkt seines Schaffens der bekannteste Kinderarzt Deutschlands war. Hellbrügge stand in der Öffentlichkeit und wie kaum ein zweiter wusste er, die Öffentlichkeit in positivem Sinne für seine Projekte zu nutzen.

Als er 90 wurde, haben wir an dieser Stelle seine besonderen Verdienste genannt: aus einer Forschungsstelle das erste Ordinariat für Soziale Pädiatrie zu erreichen; aus einer kleinen klinischen Einrichtung der Kinder-Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München das Münchner Kinderzentrum zu errichten; die Aktion Sonnenschein von einem nationalen Modell zu internationaler Verbreitung zu führen; aus seiner Idee der Entwicklungsrehabilitation ein -würde man heute sagen- Netzwerk mit über 200 Einrichtungen in aller Welt zu schaffen; Bücher über die normale und krankhafte Entwicklung des Säuglings zu schreiben, an denen sich das Fach Pädiatrie orientierte; den Osterkongress in Brixen zur anerkannten Weiterbildungsinstitution der Kinderheilkunde zu führen; schließlich mit dem „ Kinderarzt" die seinerzeit auflagenstärkste pädiatrische Zeitschrift herauszubringen.

Wo war Hellbrügges Bezug zur Kinderchirurgie? In München war er neben unserem ehemaligen Ehrenmitglied Betke derjenige, der mit unserem späteren Ehrenpräsidenten Hecker die Sache der Kinderchirurgie am konsequentesten verfocht. Betke auf eine eher sanfte, doch sehr zielgerichtete und beharrliche, selbstlose Art; Hellbrügge wollte, wenn er etwas gab, auch etwas bekommen. So schloss er mit Hecker gleichsam den Pakt, dass jeder die Projekte des anderen unterstützte, ganz egal, um was es sich handelte. Das gereichte in der Fakultät und in der Öffentlichkeit beiden Fächern zu Nutzen.

Hellbrügge suchte stets nach Neuem. Manchmal wurde er anfangs belächelt. Aber auf dem Grat zwischen Schulmedizin und Nicht-ganz-Schulmedizin wandernd, ist er nie abgestürzt.

Von Anfang an hat er auf dem Kongress in Brixen die Kinderchirurgen beteiligt. Regelmäßig hat er für seine Zeitschriften kinderchirurgische Arbeiten angefordert. Und immer wieder hat er seine Meinung öffentlich gemacht, dass Kinder vom Kinderchirurgen zu operieren seien.

Hellbrügge, dessen Lebenswerk, sich mit Entwicklungsstörungen zu befassen, durch die Untersuchungen von dem Rassenwahn der Nationalsozialisten entstammenden Lebensborn-Kindern den Anfang nahm, wurde hoch geehrt vom Theodor-Heuss-Preis über den Bayerischen Verdienstorden und das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland bis zur Paracelsus-Medaille der Deutschen Ärzteschaft und zahlreichen außerdeutschen Auszeichnungen. 21 Universitäten haben ihn zum Ehrendoktor ernannt.

Verständlich, dass es ihm schwer fiel, los zu lassen.

Das Bild wurde bei der letzten Begegnung vor 2 Jahren aufgenommen. Hellbrügge, damals 92 Jahre, zeigte sich auch da, als das, was er lebenslang war: ein Freund der Kinderchirurgie.