15 Jahre Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie e.V.

„Das ging nun so, so lang es ging“ heißt es in Lessings Ringparabel. Und das könnte auch die Antwort auf die Frage sein, wie denn die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie 38 Jahre ohne eine Geschäftsstelle auskommen konnte.

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Als Relikt dieser Zeit kann angesehen werden, dass allmählich die letzten Leitzordner bei Frau Lorenzen eintrudeln, die von früheren Geschäftstätigkeiten künden. Denn Geschäftigkeiten gab es immer, aber keine Geschäftsstelle.

In den Gründerzeiten der Westdeutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie erledigte die Geschäfte in erster Linie der Präsident, besser: dessen Sekretärin. Ihm zur Seite stand ein Schriftführer namentlich für die Zeit der Treffen und Kongresse, der auch laut erster Satzung vom 03.04.1964 zum Vorstand zählte. Erster Schriftführer war Heinz Singer (später von 1976 bis 1979 Präsident). Er war gleichzeitig Kassenführer, was mangels Kasse noch nicht so belastend war. Sein Nachfolger als Schriftführer, beziehungsweise nunmehr Sekretär, war Hans Würtenberger, erster „Nur“-Schatzmeister Wolfgang Haße.

Jeder Amtsinhaber sammelte Unterlagen in Leitzordnern, die entweder bei Amtswechsel blieben, wo sie waren, oder an den Nachfolger weitergegeben wurden. Besonders bei ehemaligen Präsidenten verblieben zahlreiche Ordner und nicht nur deshalb wurde immer wieder der Ruf nach einer Geschäftsstelle laut (In der ehemaligen DDR war die Situation ähnlich. Der Leiter der AG beziehungsweise der Präsident führte die Geschäfte, allerdings konnte Kurt Gdanietz nach der Wende 18 Ordner mit dem gesamten Schriftverkehr übergeben).

Der Wunsch, eine zentrale Anlaufstelle und eine ordnende Hand jenseits der Amtswechsel zu haben, stand oft auf der Tagesordnung. Aber über den Fragen „Wie“ und „Wo“ vergingen die Jahre.

Nun kommt das Langenbeck-Virchow-Haus in der Berliner Luisenstraße ins Spiel. 1914 von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der Berliner Medizinischen Gesellschaft als Nachfolgebau für das Haus in der Ziegelsstraße erbaut, hatte es wechselvolle Zeiten erlebt. Wer mehr darüber wissen will, nehme Hans-Jürgen Peipers Buch „Das Langenbeck-Virchow-Haus - im Spiegel der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie“ zur Hand. Nur soviel: Nach dem 2. Weltkrieg enteignet, war es vorübergehend der Sitz der Volkskammer der DDR. Nach der Wende konnte es 2001 wieder angemietet und nach juristischen Auseinandersetzungen, an denen sowohl die Stadt Berlin als auch die Charite beteiligt waren, von den Erbauern wieder in Besitz genommen werden.

Die Initiative für eine Geschäftsstelle in diesem traditionsreichen Haus ging vom Berufsverband aus. Unser Vorstand schloss sich den Verhandlungen gerne an, die Gabriel Tewes, Ehrenmitglied unserer Gesellschaft 2015, namens des Berufsverbandes führte. Eine Geschäftsstelle für die Kinderchirurgen alleine schien zu aufwändig und zu teuer. So kam es zu Verhandlungen mit der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, geführt von Professor Polonius. Man einigte sich 2001 auf ein gemeinsames Sekretariat und kümmerte sich nun um dessen Besetzung. Mehrere Bewerbungen waren da und man entschied sich für Frau Doris Lorenzen. Ab 01.03.2001 war sie nun sowohl für die Kinderchirurgen als auch für die Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgen zuständig und sie hat diesen Spagat bravourös gemeistert. Bevor Frau Lorenzen dann ganz für die Kinderchirurgen da war, kam es noch zu einer kleinen Groteske. Im Oktober 2004 wurden die beiden Sekretariate räumlich getrennt, aber die Zuständigkeit für beide Gesellschaften blieb. So hatte Frau Lorenzen ständig den Raum zu wechseln, bis sie ab 1. Oktober 2005 ganz der Kinderchirurgie zur Verfügung stand. Das war auch nötig, denn inzwischen hatte die Arbeit für die Gesellschaft einen nicht geahnten Umfang angenommen. So sitzt sie jetzt im 4. Stock, schaut auf Gebäude der Charité, und ist für alle ansprechbar, die etwas auf dem Herzen haben. Sie entlastet den Präsidenten und Frau Degenhardt, den Sekretär der Gesellschaft, und sorgt mit ihr und dem Schatzmeister zusammen für Kontinuität. Dass sie langsam Ordnung in unsere Vergangenheit bringt, freut den Chronisten besonders. Dieser schlägt übrigens bei einer fälligen Satzungsänderung vor, den Passus „Geschäftsstelle der Gesellschaft ist das Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin“ mit einzufügen.

Frank Höpner