In Memoriam Heinz Singer

 

Der Gottesdienst am 13. Januar 2018 in Oberaudorf war ein würdiger Abschied von Heinz Singer.

Wir haben innerhalb einer Woche zwei unserer ehemaligen Präsidenten verloren: Heinz Singer starb am 7. Januar, Hermann Mildenberger, der ebenfalls in diesem Heft gewürdigt wird, am 13. Januar 2018. Beide haben sich um die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie verdient gemacht.

Es sind nicht nur die Überväter Oberniedermayr und Rehbein gewesen, die in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts für die Etablierung der Kinderchirurgie im Westen Deutschlands gesorgt haben. Hätte es nicht auch Menschen wie Heinz Singer gegeben (Mildenberger gehörte zu einer späteren Generation), wäre die Entwicklung, die unser Fachgebiet genommen hat, so nicht möglich gewesen. Heinz Singer hat vielmehr dabei eine ganz wichtige Rolle gespielt.

Singer war der erste Schrift- und Kassenführer zunächst der Arbeitsgemeinschaft und dann der (west-) Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie. Er protokollierte die legendäre Sitzung vom 3. April 1964, in der Fritz Rehbein zum Präsidenten für die nächsten drei Jahre gewählt wurde. Singer war Vorstandsmitglied der AWMF, der Internationalen Gesellschaft der Urologen, der Gesellschaft für Brandverletzungen, der BAPS und des Arbeitskreises Ärzte-Juristen. An Letzterem sieht man, dass er nicht nur über den Tellerrand hinaus dachte, sondern seiner Zeit weit voraus war.

Heinz Singer war unser Präsident von 1976 bis 1979, Nachfolger des manchmal ungestümen und rastlosen Waldemar Hecker, aber nicht weniger erfolgreich. Es braucht immer wieder Menschen, die in Führungsposition das Erkämpfte festigen, mehren und bewahren, unter Umständen auch beruhigen, und ausgleichen, wo es gilt, nach zweifellos positiven, aber teils unruhigen Manövern das Schiff wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Dafür hatte Heinz Singer das entsprechende Naturell.

Heinz Singer war äußerlich ruhig, ausgleichend, höflich, verlor nicht die Contenance; Eigenschaften, die er allerdings auch von seinem Gegenüber erwartete. Und weil er konsequent und, wenn nötig, hartnäckig blieb, war er auch erfolgreich.

Heinz Singer war nicht nur als Verfechter unseres Fachgebietes in Folge seiner Ämter bedeutend, sondern auch als kinderchirurgischer Arzt, als Klinikleiter und Dozent an der Technischen Universität. Er hatte das breite Behandlungsspektrum von seinem Lehrer Oberniedermayr übernommen. Für die Kinderurologie hat er bleibende Maßstäbe gesetzt. Weithin bekannt war seine Kunst, Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zu operieren. Dass er als Schüler von OB die Neugeborenchirurgie und das, was man heute Allgemeine Kinderchirurgie nennt, ausgezeichnet beherrschte und sein Wissen weiter gab, darf man voraussetzen. Mit diesem Können hat er nach den Anfängen durch H. Simon die Kinderchirurgie in Schwabing von 1965 bis 1982, unterbrochen von einer längeren Krankheitsphase und vertreten von der grandiosen Oberärztin Schultz, geleitet und zu einer anerkannten und weithin bekannten Institution ausgebaut. Seinem Nachfolger hat er eine in allen Bereichen funktionierende und von Eltern, Kindern, Chirurgen und Kinderärzten höchst respektierte Klinik übergeben.

Hinter der äußeren Gelassenheit verbarg sich ein sehr gemütvoller, sensibler Kern. Möglicherweise wollte Heinz Singer gar nicht, dass jeder bis dahin vordrang. Der Chronist hat dazu Gelegenheit bekommen und es ist wohl erlaubt, zu sagen, wie dies geschah. Es muss 1977 gewesen sein, da assistierte ich als chirurgischer Assistent bei einer schwierigen Operation. Der Patient hieß Heinz Singer. In den 2 Wochen danach haben wir an seinem Bett viel miteinander gesprochen und ich lernte ihn da erst richtig kennen; nicht nur den verantwortungsvollen Arzt, sondern den Menschen, den späteren Wanderkameraden im Voralpenland, den Berliner, für den Oberaudorf zur zweiten Heimat wurde, den Freund, der uns im 96. Lebensjahr verlassen hat und dessen wir auch in Zukunft gedenken sollten und gedenken werden. Und zwar so, wie es auf der Schleife des Kranzes unserer Gesellschaft steht: „In Dankbarkeit.“

Im Anschluss an den Trauergottesdienst wurde Heinz Singer auf dem Friedhof Oberaudorf im Kreis seiner Familie und seiner Freunde beigesetzt.

Frank Höpner