Grußwort der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie zur Kongresseröffnung 17.04.2018

 

Sehr geehrter Präsident Jörg Fuchs, sehr geehrte Frau Staatssekretärin Weiss, sehr geehrter Herr Präsident Prof. Montgomery, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren,

die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie begrüßt Sie sehr herzlich zur 56. Jahrestagung im Rahmen des 135. Chirurgenkongresses. Unser besonderer Gruß geht an den Präsidenten, denn erstmals steht ein Kinderchirurg an der Spitze der alt-ehrwürdigen chirurgischen Fachgesellschaft. Herzliche Grüße auch an Prof. Lukas Wessel als dem kinderchirurgischen Kongresspräsidenten, der mit seinem Team die kinderchirurgische Jahrestagung vorbereitet hat.

Auf dem Boden einer inzwischen gut fundierten kinderchirurgischen Tradition wollen wir mit Ihnen innovative Wege diskutieren und globale Blickwinkel eröffnen. Hierzu hat die Kinderchirurgie viele interdisziplinäre Sitzungen vorbereitet, aber auch die internationale Kooperation beleuchtet. Das globale Interesse unserer kleinen Patienten gilt dabei immer nur dem besten Weg hin zu einer schnellen und funktionell optimalen Gesundung. Ob dieser Weg über „European reference networks“ (ERNs), also supranational verläuft, oder auf einer interdisziplinären Schiene in Kooperation mit den benachbarten Fächern, ist dem kranken Kind egal. Das Kindeswohl muss der ethische Maßstab für unser Handeln im Kinderkrankenhaus sein, weder ein fachzentriertes Ego noch ein Empathie-freies ökonomisches Plazet helfen hier!

Die Jahrestagung ist immer auch Anlass für einen Jahresrückblick. Bei der Rückschau auf das letzte Jahr kommt dieser Blick, sehr geehrte Frau Weiss, für einen Kindermediziner nicht ohne politischen Fokus aus. Minister Gröhe hat als fleißiger Arbeiter im Weinberg seiner Herrin (frei nach Matthäus 20) zwar in 4 Jahren 25 Gesetze eingebracht, uns Kindermedizinern aber mit dem Pflegeberufegesetz auf den letzten Drücker ein Kuckucksei ins Nest gelegt. Leider haben wir verpasst, unsere Kinderkrankenschwestern zur bedrohten Art erklären lassen, damit sie europäischen Artenschutz erhalten. Denn trotz einer 95% Nein-Quote der betroffenen Berufsgruppe, trotz einer Petition mit einmaligen fast 150 000 Voten wurde ohne Not die Kinderkrankenpflege einbezogen, obwohl wir alle wissen, dass für kranke Kinder völlig andere Bedingungen gelten als für alle anderen Altersgruppen. Ich persönlich und viele meiner Kollegen sind überzeugt, dass das die Chancen dieser Berufsgruppe auf adäquaten Nachwuchs im kompetitiven Wettbewerb der Berufswahl junger, sozial engagierter Frauen verschlechtert. Unser interprofessionelles klinisches „Pfund“, die erfahrene Kinderkrankenschwester an der Seite des kranken Kindes, wird uns verloren gehen, und die, die dann da ist, hat in ihrer Ausbildung deutlich weniger altersspezifische Dinge gelernt. Eine Qualitätsoffensive für die Generation, die unsere Zukunft sein soll, sieht für mich anders aus, und im Gegensatz zu Ihrem Wunsch, Frau Staatssekretärin, dass unser Gesundheitssystem am Ende der Legislatur ein bisschen besser sein soll als heute, wird es so zumindest für die Kinder sicher schlechter sein! Parallel sind die qualitativen Anforderungen des gBA für die intensivmedizinische Versorgung unserer Kleinsten sehr hoch. Ich frage mich, wie diese Kluft geschlossen werden soll und wer diesen Weg nach 2020 gehen will. „Wehe dem, der seine Kinde verachtet“, schrieb die FAZ am 14.02.18. über einen Artikel zur Kindermedizin, und am 14.03.18 titelt die SZ „Wettlauf zwischen Leben und Tod“. Wenn Zeitungsartikel in seriösen Medien solche Titel über Berichten zur Kindermedizin haben, stimmt etwas nicht! Vielleicht ist es nicht zu spät, hier noch etwas zu ändern. Nichts ist in Stein gemeißelt. Und wenn viele von Ihnen jetzt denken, das ist doch gelaufen: Ja, vielleicht, aber ich finde, es musste hier und heute nochmals in aller Deutlichkeit und choram publico gesagt werden.

Nun wünsche ich uns allen einen erfolgreichen Kongress, viele positive Gespräche und Erkenntnisgewinne und danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Peter Schmittenbecher